Freitag, 23. September 2011

Alles strahlt – auch Eleene

In den Wirren des Umzugs lernte ich sie kennen: Eleene, eine Empregada (Haushälterin), die wie ein Engel in meine Leben trat.
Zur Grundreinigung unseres Apartments hatte ich einen Reinigungsservice beauftragt, denn unser Container sollte in den nächsten Tagen eintreffen. Nachdem mich dieser Dienstleister zwei Mal versetzte hatte und der Container in weniger als 24 Stunden erwartet wurde, war die Verzweiflung groß.
Doch der Himmel hatte ein Einsehen und schickte mir zwei meiner Freundinnen, von denen eine ihre Empregada mitbrachte, die Office-Managerin meines Mannes und Conceição, die Empregada des Büros, die kurzerhand ihre Tochter Soraya und Nachbarin Eleene bestellt hatte.
Schnell war alles organisiert. Vilma, die Empregada meiner Freundin, Soraya und Eleene machten sich ans Werk. Vilma begann mit dem Schlafzimmer und reinigte sorgfältig jeden kleinsten Winkel. Soraya und Eleene raubten mir den Atem. Kräftig packten sie zu, schrubbten, putzen, polierten unermüdlich und bisweilen unter Einsatz ihres Lebens, denn wie sie die gläserne Balkonbrüstung säuberten, hatte etwas Halsbrecherisches.
Ihre optimistische Fröhlichkeit war ansteckend. Endlich hatte ich wieder Hoffnung. Das Apartment würde fertig sein, bevor der Container eintrifft. Und tatsächlich: Innerhalb weniger Stunden verwandelten die drei fleißigen Engel unser Apartment in ein glänzendes Schmuckstück.
Nach der Containeranlieferung hatte ich Vilma, die mir meine Freundin als dauerhafte Empregada ans Herz gelegt hatte, für Detailarbeiten bestellt. Gewissenhaft und wortlos wusch und polierte sie unsere gesamte Küchenausstattung.
Ich vermisste die charmante und liebevolle Eleene und die kräftige Soraya und entschloss mich spontan, beide erneut zu buchen, denn das Apartment benötigte, nachdem nun alle Möbel an ihrem Platz standen, insgesamt einen Feinschliff. Und wieder blitzte und blinkte alles.
Wenige Tage darauf hatten Tereza und ich Eleene zu einem Interview eingeladen, denn diese selbstständige, effiziente, humorvolle und warmherzige Empregada könnte ich um mich haben, mit ihrer Anwesenheit käme ich gut zurecht.
Einmal mehr erlebte ich eine flexible und aufgeräumte Frau, die geduldig wartete, bis wir die Projekte mit dem Elektriker besprochen hatten, was sich länger hinzog als erwartet. Auch zwei weitere Anlieferungen konnten sie nicht aus der Ruhe bringen. Als wir dann endlich über die Rahmenbedingungen ihrer möglichen Tätigkeit sprechen konnten, faszinierte mich ihre Ehrlichkeit, denn immerhin stand die Frage der Häufigkeit zur Diskussion, die an ihre Bereitschaft zu bügeln geknüpft war. Selbstverständlich könne sie bügeln, erklärte sie. Ob ich ihr ein exemplarisches Stück zeigen  könne, wollte sie wissen. Ich präsentierte daraufhin ein im Hause 5 à Sec perfekt gebügeltes Hemd. Auf diesem Niveau könne sie nicht bügeln, ihre Fähigkeiten hier beschränkten sich auf den Hausgebrauch. Dennoch wurden wir handelseinig, denn nie hätte ich auf diese großartige Empregada verzichten mögen. Und schließlich muss auch 5 à Sec existieren.
Seit Juni nun ist Eleene unsere Empregada. Was für ein Geschenk, auch wenn sie meinen Mann von Zeit zu Zeit zur Verzweiflung bringt. Eleene hat klare Vorstellungen: So verstaut sie unsere Tischsets, die mein Mann gern griffbereit hat, stets in der dafür vorgesehenen Schublade. Lässt er etwas liegen, bringt sie es zurück in sein Zimmer. Jede Woche faltet sie liebevoll seine Freizeitkleidung, die er grundsätzlich lässig über den Stuhl legt. Wasserflaschen neben dem Bett findet unsere Eleene komisch. Also trägt sie sie in die Küche. Dort haben Handtaschen nichts zu suchen. Die finde ich, wenn ich sie am Türgriff zwischengelagert habe, in meinem Zimmer wieder. Recht hat sie.
So sehr mein Mann mit ihrer Tendenz, Dinge an den Ort zu räumen, den sie passend findet, hadert, so sehr freut mich eben jenes Engagement, denn ich würde es nicht anders machen.
Kaum hatte Eleene bei uns angefangen, stand an ihrem regulären Arbeitstag ein Feiertag an. Rechtzeitig rief sie mich an, erklärte mir geduldig den Sachverhalt und suchte mit mir nach einer Lösung. Und dies, obwohl meine Sprachkenntnisse zu diesem Zeitpunkt noch höchst limitiert waren. Es hätte andere Wege gegeben, mich zu informieren, doch sie wählte den direkten. Nie hat sie sich von meinen sprachlichen Defiziten irritieren lassen.

Im Gegenteil. Kürzlich gar bereitete sie mich sprachlich auf einen Friseurbesuch vor, denn ich wollte etwas machen lassen, was ich hier nie zuvor nachgefragt hatte.

Ganz großartig fand ich unsere Verabschiedung, als wir kürzlich, während sie mit dem Bus unterwegs war, telefonierten. Sie schloss das Gespräch, indem sie „Goodbye“ sagte. Ich konnte sie strahlen hören, Eleene, die alles strahlen lässt.

Freitag, 16. September 2011

Gesichter einer Megacity

An einem strahlenden Sonnentag im April war ich mit Christiane, die mich lange bevor ich meinen Lebensmittelpunkt nach Brasilien verlagerte, engagiert und sensibel auf meine Zeit in diesem für mich gänzlich unbekannten Land vorbereitet hatte, verabredet. Sie, die zwei Mal für mehrere Jahre in São Paulo gelebt hatte, war in den Osterferien mit ihrer Familien nach Brasilien zurückgekehrt, um Freunde zu besuchen. So hatten auch wir endlich die Gelegenheit, einander persönlich zu treffen, in meinem neuen Land, das ihr sehr vertraut ist. Sie schlug den Clube Hípico de Santo Amaro, gemeinhin als Hípica bezeichnet, als Treffpunkt vor.
In Berlin hatte ich während meiner Schulzeit mit Freunden einige Clubs besucht – die Zehlendorfer Wespen, den Schülerruderverband Wannsee e.V. (SRVW), den Berliner Sport-Club (BSC) – die durchaus einen gewissen Idylle-Faktor besaßen. Da ich insgesamt sehr idyllisch lebte – wir wohnten damals im von altem Baumbestand und viel Grün geprägten Zehlendorf und ich ging im feinen Grunewald zur Schule – nahm ich die Idylle der Clubs allerdings nicht so intensiv wahr, wie an jenem Tag im April.
Nachdem ich die Pforte der Hípica passiert hatte, war ich von riesigen, schön gewachsenen Bäumen umgeben. Ich war überrascht, denn ein solches Kleinod hatte ich inmitten der Megacity nicht erwartet. An den Tennisplätzen sah ich, während ich auf Christiane und ihre Freundin Katharina wartete, Jugendlichen beim Training zu. Als beide eingetroffen waren, schlenderten wir über das Gelände zum Restaurant des Clubs mit seiner schönen Terrasse und den geschmackvoll auf dem Rasen verteilten Tischen. Wir tranken Kaffee und plauderten angeregt, während Vögel zwitscherten und wunderschöne junge Mädchen

auf edlen Pferden durch diese Idylle galoppieren. Es schien, als sei die Stadt Millionen Kilometer entfernt, denn kein Zivilisationsgeräusch war zu vernehmen. Ich fühlte mich an „Jenseits von Afrika“ erinnert und genoss die heitere, leichte Atmosphäre. Immer wieder stießen Freundinnen hinzu, um Christiane, die vor längerer Zeit nach Deutschland zurückgekehrt war, in der Stadt willkommen zu heißen. So lernte ich an diesem kurzweiligen Nachmittag Bettina, mit der ich heute noch verbunden bin, kennen.

Begeistert berichtete ich meinem Mann von diesem besonderen Erlebnis. Mein Mann, ein Segler, der zwischenzeitlich einmal im Yacht Club Santo Amaro (YCSA) gewesen und ebenfalls begeistert war, freute sich mit mir und brachte die Idee auf, einen Club zu finden, der für beide interessant sei.
Doch noch lebten wir im Hotel. Kurz darauf fanden wir unser Apartment, womit das Thema in den Hintergrund geriet, bis vor einigen Wochen, als Heloisa, meine Sprachlehrerin, berichtete, dass einer ihrer Schüler hinsichtlich seiner Sprachkenntnisse sehr von der Mitgliedschaft in einem nahegelegenen Sportclub profitiert habe und dass auch sie zeitnah dort eintreten werde. Das war das Stichwort. Ich befragte sie zu den unterschiedlichen Clubs, recherchierte im Internet, telefonierte mit Bettina und wandte mich an Michaela, eine Freundin, deren Mann ebenfalls Segler ist.
Am vergangenen Samstag nun hatten uns Michaela und ihr Mann Willi in den Clube de Campo do Castelo eingeladen. Zusammen mit Cristina, meiner ehemaligen Kollegin und Freundin aus Deutschland, die nun in São Paulo lebt und arbeitet, machten wir uns auf den Weg nach Interlagos, um den Club, der zahlreiche Sportarten anbietet, anzusehen. Auf 48.000 Quadratmeter erstreckt sich der Club mit spürbar entspannter Atmosphäre und Retro-Charme, unmittelbar am Represa de Guarapiranga (Guarapiranga Stausee) gelegen.
Nie werde ich unseren Trip mit dem Motorboot vergessen: Einmal an Bord des schnittigen Boots war es, als wären wir im Urlaub. Kleine Inseln, imposante Denkmäler und verwunschene Buchten taten sich vor unseren Augen auf. Wir beobachteten Kinder und Jugendliche beim Segeltraining, sahen Anthony, den Sohn der Familie, mit seinem Laser über das Wasser gleiten und kleine Kinder engagiert ihre Optimisten steuern. Jet-Skis

donnerten an uns vorbei und geduldige Menschen versuchten sich mit Stand-up Paddling. Einfach toll.

Mittags legten wir am Yacht Club Santo Amaro an, um auf der wundervollen Sonnenterrasse zu Mittag zu essen. Auf einer Jolle, die zur Olympiade 1936 in Berlin gestartet war und heute als Büffet fungiert, wurden köstliche Speisen präsentiert, die wir in internationaler Atmosphäre genossen.
Spätestens als wir wieder im Clube de Campo do Castelo anlegten, war klar, dass wir Mitglied eines Clubs am Guarapiranga Stausee werden möchten.
An diesem Wochenende werden wir schließlich den Clube de Campo de São Paulo (CCSP) besuchen, dessen beindruckende Ausmaße wir bislang nur vom Wasser bestaunt haben. Morgen also werden wir wieder die andere, idyllische Seite dieser aufregenden Megacity erleben.

Donnerstag, 8. September 2011

Maria Brigadeiro goes to Washington

Sie sind klein, rund und in ihrer traditionellen Zubereitungsart mit Schokoladenstreuseln umhüllt: Brigadeiros werden sie genannt, nach dem brasilianischen Präsidentschaftskandidaten Brigadeiro (Brigadegeneral) Eduardo Gomes, der 1945 gegen Eurico Gaspar Dutra antrat.
Eifrige Wahlkämpferinnen verkauften die in den 1940er Jahren kreierten und noch heute in einigen südlichen Bundesstaaten als Negrinhos bekannten süßen Kugeln, um Mittel für den Wahlkampf des attraktiven Junggesellen einzutreiben, der dieser süßen Köstlichkeit sehr zugetan war.
Auch wenn sich die „Docihno do Brigadeiro“, die mit dem Slogan „Vote no brigadeiro que é bonito e solteiro” (Wählt den Brigadegeneral, der ist schön und alleinstehend angepriesen wurden, großer Beliebtheit erfreuen, konnte Gomes die Stimmen der Wähler nicht auf sich vereinigen, auch nicht als er 1950 gegen Getúlio Vargas ins Rennen ging. Doch die nach ihm benannte Süßigkeit, die jeden brasilianischen Kindergeburtstag bestimmt, macht ihn unsterblich.
Heute sind die kleinen Kugeln längst nicht nur der Renner auf Kindergeburtstagen. Spätestens seit sich die Journalistin Juliana Motter den Brigadeiros verschrieben hat, ist die Süßigkeit salonfähig geworden.
Bereits im Alter von sechs Jahren wurde sie von ihrer Großmutter, die über profunde Kenntnisse im Konditoreiwesen verfügte, in die Zubereitung eingeführt. Begeistert produzierte das junge Mädchen, das ob seiner Leidenschaft für die kleinen Kugeln den Spitznamen Maria Brigadeiro erhielt, die traditionelle Süßspeise und brachte sie zu

Kindergeburtstagen mit, bis sie eines Tages einen Großauftrag erhielt: Für einen besonderen Anlass sollte sie ganze 1000 Brigadeiros produzieren. Mit der Hilfe von Freunden nahm sie sich dieses ersten Großauftrags, der nicht ganz leicht zu stemmen war, an, denn die anwesenden Kinder konnten den frisch hergestellten Brigadeiros nicht widerstehen, so dass Juliana nicht die vereinbarte Menge ausliefern konnte. Durch eine glückliche Fügung habe dies niemand bemerkt, erzählt mir die Journalistenkollegin, die wenig später den Entschluss fasste, ihre Karriere als Food-Journalistin an den Nagel zu hängen, um fortan hauptberuflich Brigadeiros zu produzieren. 2007 richtete Motter ein Atelier ein, 2010 eröffnete sie ein bezauberndes Geschäft in der Rua Capote Valente, 68 in Pinheiros (Tel.: 11 3085-3687,www.mariabrigadeiro.com.br).

Hinter einem Sichtfenster stellen emsige weibliche Pâtissiers in weißen Kochjacken und charmanten Kochmützen die verführerischen Kugeln auf den Punkt her. Diese Produktionsweise ist eines der Geheimnisse der Erfinderin von rund 40 verschiedenen Bridageiros, die aus hochwertigsten natürlichen Zutaten bestehen. Neben gezuckerter

Kondensmilch (das Produkt ist deutlich dickflüssiger und farblich etwas dunkler als Kondensmilch ohne Zuckerzusatz und ist in Deutschland sowohl in Dosen und als auch in Tuben erhältlich, beispielsweise unter dem Markennamen „Milchmädchen“), der Grundlage jedweden brasilianischen Brigadeiros, verwendet Motter französische Butter und ihre eigene Schokoladenmischung. Zucker wird keinem einzigen der Gourmet Brigadeiros zugesetzt. Umhüllt werden die kleinen Kugeln mit den köstlichsten Dingen: von leicht gerösteten Pistazienflocken über weiße Schokolade bis hin zu indischen Gewürzen. Unnachahmlich ist der Nutella-Bridadeiro, der deutsche Genießer in Kindertage reisen lässt.

Reisen wird auch Juliana Motter bald, denn sie wurde nach Washington eingeladen, ins Weißen Haus. Als kulinarische Repräsentantin ihres Landes steht sie, steht Maria Brigadeiro, für DIE brasilianische Nachspeise. So präsentiert die Erfinderin des Gourmet Brigadeiros die offizielle Nachspeise des hochklassigen Events im Finanzsektor und offeriert ihre ausnehmend schönen Pralinenschachteln, gefüllt mit den wohlschmeckendsten Brigadeiros, schließlich allen Teilnehmer als Give-away.
„Vielleicht wird sogar Präsident Obama einen Brigadeiro aus dem Hause Maria Brigadeiro probieren“, siniert Juliana Motter, die mit ihrem Lebensmittelingenieur und ihrem Chef-Pâtissier anreisen wird, um die Brigadeiros vor Ort frisch zuzubereiten. Die Verfügbarkeit der Rohstoffe ist gewährleistet. Nun muss nur noch das Visum eintreffen.
Und schon bald, da bin ich sicher, wird Maria Brigadeiro ihren kulinarischen Siegeszug antreten, denn ihr stylisches Geschäft mit seinen wundervollen Produkten passt hervorragend an die New Yorker Upper West Side, in den Prenzlauer Berg in Berlin oder an den Gärtnerplatz in München.
Post Scriptum: Als ich Maria Brigadeiro zuletzt besuchte, wollte ich an sich nur zwei kleine Schachteln mit Brigadeiros kaufen, für meinen Mann und für Cristina, meine frühere Kollegin und Freundin, eine Brasilianerin, die in der vergangenen Woche ihren Wohnsitz nach 21 Jahren in Deutschland nach São Paulo verlegt hat. Aus diesem Einkauf wurde mein erstes Interview in dieser Stadt. Ein brasilianisches Erlebnis: Juliana Motter bot spontan an, mit mir zu sprechen, verwöhnte mich mit ihren köstlichsten Kreationen und schenkte mir zum Abschied eine riesige Brigadeiro-Box. Zusammen mit ihrem Geschäftspartner Marcello nahm sie sich mehr als eine Stunde Zeit, bis sie sich freundlich um 16.25 Uhr entschuldigte, denn beide hätten vor 16.00 Uhr zu einem Termin aufbrechen müssen. Erschüttert, dass ich unwissend eine so gravierende Verspätung verschuldet hatte, bedauerte ich diese wortreich. Charmant lächelnd erklärte Juliana Motter sogleich: “We really enjoyed the pleasant conversation. That’s the Brasilian way!”

Mittwoch, 31. August 2011

O inverno na cidade (Winter in der Stadt)

Dienstag: Strahlend blauer Himmel, 32 Grad, die Bäume tragen sattes Grün oder blühen in den schillerndsten Farben. Und dies mitten im Winter, der in der südlichen Hemisphäre vom 21. Juni bis 20. September andauert. Zuletzt war es nach Angaben des Nationalen Instituts für Meteorologie im Februar so warm. Es herrscht „Summer in the City“. Seit dem frühen Morgen schwirrt mir der im Sommer 1966 veröffentlichte Hit von The Lovin’ Spoonful im Kopf herum.
So stellte ich mir mein Leben am anderen Ende der Welt vor. Ich war mit Sommergarderobe angereist, denn Mitte Februar herrschte schließlich meteorologischer Sommer in São Paulo.Zwei leichte Strickjacken, ein dünner Pullover und einige Jeans wären, bis der Container eintrifft, sicher genug an warmer Kleidung, so nahm ich an. Doch diese Annahme war fatal.
Ende Mai, während ich unser Apartment für den Einzug vorbereitete, fror ich mich fast zu Tode. Ich kultivierte den Zwiebellook, trug bis zu vier Schichten und entschied mich, von

Verzweiflungskäufen abzusehen, denn im Container befand sich schließlich genug
warme Kleidung, die mich durch viele harte Berliner Winter gebracht hatte.

Drinnen war es meist kälter als draußen, denn zu meiner großen Verwunderung gab (und gibt) es keine fest installierten Heizungen in Brasilien, nicht einmal in unserem Hotel, in dem ich mich nachts, nachdem ich erschöpft aus dem eiskalten Apartment zurückkehrte, in warme Decken hüllte.
Eines Tages machte meine Freundin Tereza dem Frieren ein Ende und stellte mir einen Teil ihrer Wintergarderobe zur Verfügung, bis mein Mann aus Deutschland einen Koffer

meiner wärmsten Winterkleidung mitbrachte, den ich für unseren Winterbesuch bei meinen Eltern deponiert hatte, denn nie im Leben würde ich diese Kleidungsstücke hier, in der subtropischen Klimazone, benötigen.

Unmittelbar nach unserem Einzug, nur wenige Tage nach der Rückkehr meines Mannes, erwarben wir eine Ölheizung auf Rollen. Endlich müssten wir nicht mehr frieren. Doch

kaum hatten wir sie in Betrieb genommen, war sie „explodiert“, denn dass die Steckdosen, an denen sie betrieben werden kann, mit 20 Ampere abgesichert werden müssen, war uns nicht bekannt.

Mein Mann verbrachte die folgende Woche in Curitiba und ich fror weiter. Dort, so berichtete er, trügen die Mitarbeiter des Unternehmens, das er besuchte, an ihren Arbeitsplätzen Wintermäntel und Schals, manche sogar Handschuhe. Gar nicht so abwegig, dachte ich mir, und zog meine kurzärmelige Daunenweste fortan auch in der Wohnung an.
Kaum war mein Mann aus dem klirrend kalten Süden des Landes zurückgekehrt, machten wir uns, nachdem unser Elektriker die Steckdosen umgerüstet hatte, einmal mehr auf den Weg zum Baumarkt, um eine neue Heizung zu erstehen, nicht zuletzt, da sich meine Mutter aus dem sommerlichen Deutschland angekündigt hatte, und wir ihr kein tiefgekühltes Apartment zumuten wollten.
Mit ihrer Ankunft waren wir schließlich winterfest, denn sie hatte auf meinen Wunsch hin eine weitere warme Wolldecke und viele Packungen Spitzenkerzen mitgebracht.
Mit meiner Mutter kehrten die sommerlichen Temperaturen zurück, die sich, von kleinen meteorologischen Ausreißern abgesehen, hielten. Kein Vergleich zum Winter in Berlin – zu den trüben, dunklen Novembertagen, dem eiskalten Dezember und den ersten Monaten im Jahr, in von der Hoffnung auf Frühling geprägt sind.
Mittwoch: Seit gestern Abend regnet es in São Paulo. Unser nahezu freistehendes, schlankes Haus (16. Stock in einem one-per-floor-Apartment) trotzt tapfer dem Wind. Die Wolken hängen teilweise so tief, dass sie die Morumbi-Brücke geradezu verschlucken. Ein weiterer meteorologischer Ausreißer, der uns, inzwischen hervorragend ausgestattet, nichts anhaben kann. Und schon bald dürfen wir wieder auf 30 oder mehr Grad und strahlenden Sonnenschein freuen. Vom Sommer, der uns erst noch bevorsteht, spreche ich nicht einmal. Auf der Südhalbkugel zu leben, ist ein sonniges Vergnügen.

Donnerstag, 25. August 2011

Gegen alle Klischees

Brasiliens Elf-Millionen-Stadt São Paulo gelte als hässlich und gefährlich, so der „Spiegel“. Ließt man gar den Abschnitt Kriminalität in den landesspezifischen Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes wird einem Angst und Bange.
Nie werde ich die erste gemeinsame abendliche Busfahrt mit meinem Mann vergessen, als er, der Autofahrer, nachdem wir ausgestiegen waren, erleichtert und glücklich feststellte, dass wir ja gar nicht überfallen worden wären. Die allgegenwärtigen Warnungen können den Newcomer tatsächlich verunsichern. Unsere Erfahrungen stehen den allgemeinen Schreckensberichten allerdings diametral entgegen, auch wenn wir das Schicksal häufig geradezu herausgefordert haben.
Alles begann mit einer Einkaufstüte: In den Umzugswirren war ich abends zum Supermarkt unseres Vertrauens gegangen, um kurz ein paar Lebensmittel einzukaufen. Im Apartment wieder angekommen, stellte ich jedoch fest, dass die wesentlichen Lebensmittel fehlten. Dass ich sie an der Kasse eingepackt hatte, erinnerte ich genau. Ich rekonstruierte die zurückliegenden dreißig Minuten, in der Hoffnung auf eine zündende Idee. Nachdem ich im Supermarkt gewesen war, hatte ich einen Abstecher in die Padaria gemacht. Vermutlich hatte ich die Tüte dort stehengelassen. Nein, es wurde keine Tüte gefunden, erfuhr ich, als ich mich dort radebrechend nach deren Verbleib erkundigte. Also zurück zum Supermarkt. Kaum hatte ich das Geschäft betreten, winkte mir die nette Kassiererin zu und gab ihrer Kollegin am Counter im Ausgangsbereich ein Zeichen. Die kam daraufhin auf mich zugeeilt und überreichte mir freudestrahlend meinen Einkauf.
Gut, dass ich diesen Counter bereits kannte, denn einige Monate später war mein Apartmentschlüssel nach einem Großeinkauf wie vom Erdboden verschluckt. Den konnte ich nur während des Einkaufs oder beim Ein- oder Aussteigen ins Auto verloren haben. Nachdem die Suche im Parkhaus ergebnislos verlief, wandte ich mich an den besagten Counter und wieder wurde mir freudig der verloren geglaubten Gegenstand präsentiert.
Zwei Mal wurde mir der brasilianische Aberglaube fast zum Verhängnis: Als ich an einem meiner ersten Tage in der Stadt in einem Restaurant meine Handtasche neben mich auf den Boden stellte, bekam meine Freundin Tereza fast einen Herzinfarkt. Ich sollte die Tasche unverzüglich aufheben und an meinen Stuhl hängen, denn sonst würde ich all mein Geld verlieren. Nun, nachdem sie mir schlüssig nahebrachte, welch verhängnisvolle Folgen auf dem Fußboden gelagerte Taschen bringen würden, gewöhnte ich mir an, meine Handtasche stets am Stuhl zu befestigen. Leider mit dem Ergebnis, dass ich sie eines Abends in der Padaria Leirense einfach hängen ließ und mein Geld tatsächlich beinahe verloren hätte. Doch kaum kehrte ich zurück, wurde mir die Tasche mit meinem Portemonnaie und all meinen Papieren entgegengetragen.
In einer anderen Padaria, die ich selten besuche, erlebte ich ähnliches, wenn es sich diesmal auch nur um eine Tüte wundervoller Brigadeiros handelte, die ich zuvor bei Maria Brigadeiro erstanden hatte. Auch die bekam ich zurück, als ich nach einem ausgiebigen Spaziergang auf der Avenida Paulista deren Verlust realisierte und in die Padaria zurückkehrte.
Selbst, dass Busfahren in São Paulo gefährlich ist, kann ich aus eigenem Erleben nicht bestätigen, ganz im Gegenteil, denn im Bus machte ich die erstaunlichste Erfahrung. Nachdem ich die Busfahrt bezahlt hatte, setzte ich mich, mit schweren Einkäufen beladen, in die hinterste Reihe, um später schnell und unkompliziert aussteigen zu können. Kaum saß ich, kam ein junger Mann auf mich zu und hielt mir Geld entgegen. Das kam mir reichlich sonderbar vor und ich erklärte, dass ich nicht verstünde. In exzellentem Englisch erklärte der Endzwanziger, ein Journalist bei Thomson Reuters, dass ich mein Wechselgeld beim Cobrador (Fahrkartenverkäufer) liegengelassen hätte.
In Morro de São Paulo, unserem Urlaubsparadies in Bahia, war schließlich der Ehering meines Mannes plötzlich verschwunden. Ich hatte ihn zuletzt auf der Fensterbank des kleinen Duschfensters, von dem man in den verwunschenen Urwald blicken konnte, gesehen. Die Erinnerung meines Mannes, war ob einer schweren Magenverstimmung völlig ausgelöscht. Nachdem wir die Besitzer des Hotels über den traurigen Verlust informierten, begann die Suche – unter der Pfahlbaukonstruktion des Bungalows und in allen Bereichen des Hotels. Ohne Erfolg, der Ring blieb unauffindbar. Als wir mehr als 24 Stunden nach dem Verlust den zweiten Strand entlangstreiften, regte ich an, im Club do Balanço, dem Restaurant, in dem sich mein Mann am Vortag bei einer Cola von seiner Lebensmittelvergiftung erholt hatte, nachzufragen. Nein, dort wäre der Ring ganz bestimmt nicht und wie ich denn mit meinen rudimentären Sprachkenntnissen danach fragen wolle. Ich insistierte und versuchte es einfach, indem ich auf meinen Ring zeigte. Das Gesicht des Mannes, den ich fragte, hellte sich sofort auf und er bedeutete mir, ihm zu folgen. Wenig später hielt er mir den schweren, rotgoldenen Ring entgegen. Wir waren sprachlos und zutiefst gerührt, das kostbare Stück wieder in Händen zu halten.
Erst einmal konnte ich mich revanchieren, indem ich die beiden größeren Kinder einer Mutter, die gerade in einen Schönheitssalon geeilt war, darauf aufmerksam machte, dass das Portemonnaie ihrer Mutter aus der Gepäcktasche des Kinderwagens, in dem das dritte Kind saß, gefallen war.

Donnerstag, 18. August 2011

Reise ins Paradies (3)

Strahlend blauer Himmel, feiner weißer Sand, türkisfarbenes Meer, Palmen, wohin das Auge sieht… so präsentierte sich das Paradies, das wir erobern wollten – am frühen Nachmittag unseres ersten Tages auf der Ilha de Tinharé in Morro de São Paulo.
Wir streiften durch Mangrovenwälder, durchquerten kleine kühlende Frischwasserzuläufe, die ins warme Meer mündeten. Verzaubert von der Szenerie ließen wir uns treiben, bis wir im wahrsten Sinne des Wortes in den tosenden Wellen trieben, denn die Flut hatte eingesetzt.
Unmerklich war das Wasser angestiegen. Es war knöchelhoch, knietief und schließlich brach eine tosende Welle über mich herein. Mein hünenhafter Mann war todesmutig weiter ins Meer gegangen und hatte so die Felsklippe, die den Übergang vom dritten zum zweiten Strand befestigte, umwandert. Ich stand in der donnernden Gicht und fasste mir, da mir die strategischen Empfehlungen meines Mannes zu risikoreich erschienen, ein Herz und erklomm die Felsen. Und ich habe überlebt, wie diese Zeilen zweifelsfrei belegen. Unsere Kamera leider nicht, so dass wir das Paradies nur unzureichend dokumentieren konnten.
Triefend nass staksten wir auf der kleinen Felsbefestigung entlang, ausgerechnet an der Meerseite eines der Luxusresorts. Cool und nicht im mindesten verwundert reagierten die Wächter dieses Luxuspalastes und wiesen uns den Weg durch das Dickicht, in das wir uns gern schlugen, denn unter uns tobte das tosende Meer und in unserem Aufzug stand uns nicht der Sinn danach, den Caipirinha schlürfenden Gästen des Resorts zu begegnen.
Also durchs Dickicht in die Zivilisation. Wir kämpften mit Ästen, überquerten Baumstämme und durchwateten die inzwischen angeschwollenen zufließenden Flüsse, bis wir Häuser sahen, die scheinbar ins Meer gebaut waren. Über hohe, glitschige Stufen erreichten wir eine Art Promenade, die von den hohen Wellen umspült war. Anders als die Profi-Wächter, deren Coolness sich mein Mann damit erklärte, dass sie vermutlich jeden Tag durchnässten Wanderern den Weg weisen, konnten sich die Ladenbesitzer in Anbetracht unseres derangierten Zustands ein amüsiertes Lächeln nicht verkneifen.
Erschöpft und glücklich schmiedeten wir bei einem Açaí na tigela (püririerte Açaíbeeren in der Schale) und einem Eis bei Sonnenuntergang am zweiten Strand, dem Ziel unserer ersten Erkundung, Pläne für unser nächstes Abenteuer.
Über einen Trail, einen Pfad, könnte man an einen einsamen, idyllischen Strand gelangen. Köstlichste Fischspezialitäten könne man dort genießen, erfuhren wir. Abends, zum Sonnenuntergang, könne uns der Gärtner unseres aus zehn Bungalows bestehenden Hotels mit einem kleinen Boot dort abholen. Eine Erkundungstour genau nach unseren Vorstellungen.
Angela, die Besitzerin des bezaubernden Anima Hotels (www.animahotel.com) führte uns, zusammen mit einem ausgesprochen sympathischen britischen Cosmopoliten-Ehepaar, am Strand entlang in ein Dickicht und suchte lange entschlossen nach dem durch den letzten Sturm scheinbar wie weggeblasenen Pfad, der durch rote Bäume gekennzeichnet sein sollte.
Schließlich fanden wir ihn, den Pfad mit den roten Bäumen, und machten uns auf, über Stock und Stein, durch kleine Flüsse und heiße Lichtungen, vorbei an Pferden und Hunden, denen wir mitten in dieser verwunschenen Idylle begegneten. Das, was wir dann sahen, raubte uns einmal mehr den Atem: Eine kleine traumhaft schöne Bucht, in der sich Fischerboote in den Wellen wiegten und ein strahlend weißer, feiner Sandstrand, an dem fröhliche Kinder in blauen Schuljerseys Fußball spielten, tat sich vor unseren Augen auf. So muss es sein im Paradies, schloss mir durch den Kopf.
Wir schlenderten am Strand entlang, aßen bei Capitão Pipoca kostliche Garnelen und streiften durch das kleine Fischerdorf Garapuá.
Im Sonnenuntergang verließen wir diesen nahezu unberührten Ort. Mit einem viersitzigen Boot glitten wir über das weite, warme Meer in die unwirklich schöne, sternenklare Nacht.
Nach vielen weiteren wundervollen Momenten wird mir auch unsere Rückkehr lange in Erinnerung bleiben. Mit unserem Kombi fuhren wir nach Zimbo und erlebten ein Déjà-vu, denn wir wurden dort von einem gelbgewandeten Mann mit einer Schubkarre erwartet, der uns zum Flugplatz bringen wollte. Freudig nahmen wir seine Hilfe diesmal an und machten uns auf den Weg. Durch eine kleine Gasse liefen wir zum Strand und über eine Wiese weiter zum Flughafen, der aus einem kleinen Holzhaus und einer Graspiste bestand.
Mit einer sechssitzigen Minuano flogen wir nach Salvador, um von dort nach São Paulo zurückzukehren. Während wir der Skyline entgegenflogen, blickten wir zurück auf den Ort, den wir sicher wieder besuchen werden.

Donnerstag, 11. August 2011

Reise ins Paradies (2)

Um 16.22 Uhr sollten wir am Flughafen Deputado Luís Eduardo Magalhães in Salvador eintreffen. Von dort wollten wir mit einem Kleinflugzeug(www.aerostar.com.br) weiter nach Morro de São Paulo, in unser Paradies auf der Ilha de Tinharé in Bahia, fliegen.

Doch uns war entgangen, dass die Nachmittagsmaschine Salvador bereits um 14.30 Uhr

verlässt, ebenso wie der Katamaran (www.biotur.com.br), der, anders als das Flugzeug, jedoch fünf Mal pro Tag verkehrt.

Und da die Sechssitzer gut gebucht sind, so dass wir auch für den Folgetag keinen Flug bekamen, entschieden wir uns, nach einer Nacht in Salvador, für den Katamaran.
Im Ansatz beunruhigt sah ich uns mit einem kleinen Segelkatamaran mit zwei Rümpfen den Atlantik überqueren. Doch hinter dem Mercado Modelo, dem berühmten Kunsthandwerksmarkt Salvadors, erwartete uns ein Motorkatamaran für um die 100

Passagiere.

Ich genoss die fast dreistündigeAtlantiküberquerung und war ein wenig stolz, dass ich die  Wellen besser wegsteckte als mein Segler-Ehemann. Okay, ich hatte vorgebeugt und auf Anraten eines Freundes auf das bewährte Hilfsmittel Dramin zurückgegriffen, um jedweder Übelkeit vorzubeugen.
Wir sollten abgeholt werden im Hafen von Morro de São Paulo. Unzählige Männer in grellgelben Shirts standen mit Schubkarren bewaffnet am Pier und versuchten, uns dienstbeflissen das Gepäck zu entreißen, um es zum Weitertransport auf ihre Schubkarren zu laden. Da wir aber spätestens hinter dem großen Steintor unsere Abholung erwarteten, verteidigte mein Mann unsere Koffer energisch.
Gleichzeitig rief ich im Hotel an, um zu eruieren, wo genau wir abgeholt werden würden. Genau dort, wo wir uns befänden, würde in wenigen Minuten jemand mit einem Schild des Hotels erscheinen, erklärte die Rezeptionistin. Und tatsächlich nahm uns kurz darauf ein junger Mann in Empfang, der uns bedeutete, ihm zu folgen.
Fassungslos sahen uns die gelbgewandeten Männer an, als wir unsere Koffer den Berg hinaufzogen. Jede Minute erwarteten wir den VW-Bus des Hotels, der auf der Internetseite abgebildet war. Doch es sollte anders kommen: Bei leichtem Nieselregen lief der junge Mann weiter und weiter und weiter. Er lief bergauf, bergab, über Sand, Kies und Holzbohlen. Wir zogen unsere Koffer hinter uns her und ernteten höchst irritierte Blicke, denn vermutlich war noch nie zuvor ein Besucher auf die Idee gekommen, die Koffer eigenhändig zu transportieren. Immer wieder wurde unser Guide angesprochen, denn dass wir uns an seiner Seite abmühten, konnte offensichtlich niemand nachvollziehen. Mein Mann fluchte vor sich hin und ich hoffe einfach nur darauf, dass wir endlich unser Ziel erreichen würden.
Nach einem ungefähr 20-minütigen höchst beschwerlichen Fußmarsch erreichten wir einen gepflasterten Platz. Hier verabschiedete sich der junge Mann und erklärte, dass wir gleich von einem Kombi (brasilianische Bezeichnung für einen VW-Bus) des Hotels abgeholt würden.
Minuten später stiegen wir erschöpft in den Kombi und erlebten sogleich ein weiteres Abenteuer. Auf unbefestigter Piste fuhren wir durch eine verwunschene Gegend in den Sonnenuntergang, fasziniert von den Fahrkünsten des Fahrers, der die unzähligen kratertiefen Schlaglöcher äußerst geschickt umfuhr. Nach weiteren 20 Minuten waren wir angekommen.
Für das, was sich vor unseren Augen auftat, wäre ich bis zur völligen Erschöpfung gelaufen oder tausende Kilometer gefahren. Und ich verabscheue lange Auto- und Busfahrten wirklich sehr. Nie hätte ich geglaubt, dass ein solcher Ort tatsächlich existiert. Wir standen mitten im Paradies. Glücklich checkten wir ein. Vor uns lagen sechs Tage, um diese unwirkliche Gegend zu erkunden. Über unsere Abenteuer werde ich demnächst berichten.
Post Scriptum: Bevor wir an unserem ersten Abend im Paradies das Licht löschten, las mein Mann im Reiseführer und begann laut zu lachen: „Frachtgut (und Gepäck) wird mit Hilfe von Schubkarren auf den sandigen Wegen an Pousadas, Restaurants und Boutiquen vorbeigekarrt“ (Quelle: Brasilien, 1. Deutsche Auflage, Lonely Planet Publications, Juni 2008, S. 514).
Mein Mann leistete Abbitte für den selbstverschuldeten Gewaltmarsch und wir beschlossen, fortan den Reiseführer vor Reiseantritt zu konsultieren.